Von einer sportlichen Julia konnte ich lange Zeit nur träumen. Spaß am Sport zu haben, das erschien mir immer unmöglich. Turnstunden in der Schule boten eine wunderbare Gelegenheit um ein kleines Schläfchen einzulegen, während alle anderen brav ihre Übungen machten.

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26.03.2017 Leichtathletik, Donauzentrum, Wien, Halbmarathon 2017 Copyright DIENER / Eva Manhart www.diener.at
26.03.2017 Leichtathletik, Donauzentrum, Wien, Halbmarathon 2017
Copyright DIENER / Eva Manhart
www.diener.at

Fitness und sportlicher Ehrgeiz zählten eindeutig nicht zu meinen Stärken, das wussten meine Freunde, das wusste meine Familie und das wusste ich. Liebevoll wurde mir immer wieder entgegnet: „Man muss nicht alles können!“

Nach und nach setze sich dieses man muss nicht alles können. Wollte ich doch so gerne alles können. In mir schlummerte lange Zeit die Vorstellung einer sportlichen Julia, doch wusste ich nicht wie ich sie umsetzen sollte. Irgendwann wollte es dann doch klappen, der Traum, die Vision eines sportlichen Ichs war so groß geworden, dass ich mit vollem Einsatz und Elan anfing mich in einem Fitnesscenter einzuschreiben und regelmäßig laufen ging.

Das Training funktionierte erstaunlicherweise wirklich gut, doch irgendwann reichte das bloße Training nicht mehr aus. Ich wollte doch endlich Beweisen, dass ich doch sportlich sein kann.

Lebe DEINEN Traum

Wem wollte ich meine Sportlichkeit eigentlich beweisen, mir? Meiner Familie? Meinen Freunden?
Diese Frage ging mir eine Woche vor Start des 14km langen Power Runs durch den Kopf, sie ließ mich nicht mehr los, als ich schmerzdurchzogen meine Trainingseinheit absolvierte und den Tränen nahe stand. Ist der Traum einer sportlichen Julia doch nur eine Illusion gewesen, darf ich mich denn überhaupt als sportlich bezeichnen wenn mir nach 20 Minuten die Puste ausgeht und mein ganzer Körper schmerzt. Für wen tu ich mir das denn eigentlich an?

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Ich war getrieben von dem Anspruch noch besser und schneller laufen zu müssen, dieser bewirkte nur das Gegenteil. Gründliches Reflektieren zeigte mir deutlich, das war gar nicht mehr mein Anspruch, ich selber wollte einfach nur mitmachen, meine persönliche Bestzeit erreichen und nicht irgendjemand anderem Beweisen was ich alles drauf hatte. Nachdem mein Körper nicht mehr in seiner Bestform war setzte ich meine Ziele ganz niedrig an, ich hatte schon damit gerechnet 1:40 für diesen Lauf zu brauchen. Mit der nötigen Gelassenheit startete ich also. Die Masse überholte mich schnell, meine Hüfte tat weh und das Vorbeilaufen der vielen, teilweise wenig sportlich aussehenden Teilnehmer machte mich wütend. Mein Körper wollte nicht so ganz wie mein Verstand. Denn auch hier in der ersten Laufzeit verglich ich mich mit den anderen Teilnehmern. Das Gefühl für meine persönlichen Zeit hatte ich in diesem Moment total aus den Augen verloren und erst bei Kilometer 6 wiederbekommen, als mir dank meiner Playlist klar wurde: Ich liege eindeutig unter meiner „normalen“ Trainingszeit. Hatte ich mich doch wieder vom Außen blenden lassen. Besser später draufkommen als nie. Mit dieser wertvollen Erkenntnis dauerte es nicht lange bis sich meine Laune deutlich verbesserte. Ich war glücklich, überglücklich, nach etwas über einer Stunde laufen fühlte ich mich ähnlich wie bei einem Rausch. Mein ganzer Körper kribbelte und ich war nur noch glücklich und voller Power. Mit so vielen guten Gefühlen lief ich dann auch stolz mit meiner persönlichen Bestzeit von 1:31;38 ins Ziel.

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Der lehrreichste Lauf meines Lebens

Wenn mich dieser Lauf etwas gelehrt hat, dann wie wichtig es ist sich an den eigenen Kompetenzen zu messen und sich auf den Körper verlassen zu können. Trotz schleppenden Trainingseinheiten, mein Körper wusste, dass er am Wettkampftag Vollgas geben muss und das tat er auch, dein bester Freund lässt dich schließlich nicht im Stich 😉

Alle Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, ihnen zu folgen. – Walt Disney

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One thought on “(V)erlernt zu träumen”

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