Der Zweck des Lebens ist zu leben, und zu leben heißt, bewusst zu sein – fröhlich, trunken, göttlich, bewusst. – Henry Miller

7 Tage Essen, 7 Tage genießen, 7 Tage staunen. Ganze 7 Tage habe ich ganz bewusst gegessen, genossen und gestaunt. Nach zwei Wochen dauerstress in denen fleißig Nutellabrötchen, Kekse, Fast-Food und ähnliche mäßig Nährstoffreiche Lebensmittel verschlungen wurden, war es an der Zeit eine bewusste Essenswoche einzulegen.

Der Stressige Alltag lässt uns oft unseren Körper überhören. Wer von einem Termin zum nächsten jagt, der schnappt sich auch gerne mal einen ebenso stressigen Snack, der in windeseile verschlungen ist. Der nächste Gang zur Waage erzeugt dann den großen Schockzustand. So schnell wie die Zeit verlaufen ist, so schnell sind auch die Kilos auf die Waage gelaufen. Die überflüssigen Kilos veranlassen dann dazu das Ernährungskonzept zu überdenken und etwas zu verändern. Auch mir geht es immer wieder so, dass ich meine gesunden Angewohnheiten in stressigen Zeiten schleifen lasse. Nach solchen Wochen habe ich dann drei Detox Tage eingelegt um die überflüssigen Kilos wieder loszuwerden. Dennoch empfand ich es immer als extrem einschränkend drei Tage auf Nahrung zu verzichten und lediglich von Gemüsesäften zu leben. Grund genug um ein neues Konzept auszuprobieren, nämlich das Mindfulnessbased-Eating-Awareness Programm. Wie soll ich sagen, ich habe noch nie mit so viel Genuss an Gewicht verloren, so bewusst gegessen, so viele neue Geschmäcker auf meiner Zunge gespürt wie schon lange nicht mehr. Wie das Programm aussieht kannst du hier in meinem vorherigen Blogpost lesen.

Reiselustige Früchte

Eine Extrachallenge die ich mir gestellt habe war, die Herkunft meiner Lebensmittel herauszufinden. Den Teil der Ernährungsökologie in meiner Ausbildungszeit hatte ich bereits erfolgreich verdrängt, also war es mal wieder an der Zeit den nackten Tatsachen in die Augen zu sehen. Aufgefallen ist mir, dass es extrem schwer ist die Herkunft von Obst und Gemüse herauszufinden, wenn man den Supermarkt einmal verlassen hat. Googelt man die Webseiten der verschiedenen Lebensmittelkonzerne, so bekommt man lediglich idyllische Urlaubsbilder von Sonnengereiften Früchten präsentiert. Fakten wie die Herkunft, Fehlanzeige.

Nach längeren Recherchen musste ich feststellen, dass meine geliebten Avocados tatsächlich aus Mexiko anreisen. Das sind gut 10.000 Kilometer, alles andere als ökologisch. Aber immer noch kein Vergleich zu der weiten reise der Heidelbeeren, die aus Chile tatsächlich 12.500km Luftlinie überqueren.
Wenn du auf die Avocado dennoch nicht verzichten möchtest und glaub mir, das will ich auch nicht, dann besser zu den Bio Früchten greifen, diese kommen aus Spanien. Heidelbeeren einfach zur Saison kaufen, wo sie aus der näheren Umgebung oder dem Heimatland kommen. avocadobio

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Weltrekord im Schnellessen

Mal ehrlich, wann hast du dir das letzte Mal Gedanken darüber gemacht wie schnell du isst? Das stellen eines Timers hat mir die Augen geöffnet, dass ich wohl fast einen Weltrekord im Schnellessen aufstellen könnte. In 4 Minuten ein Avocadobrot mit Ei verschlungen. Echt jetzt? Im Laufe der Woche konnte ich das zumindest auf 7 Minuten steigern. Der Vorteil am langsamen essen, du schmeckst alles viel intensiver, wirst früher satt und bleibst auch länger satt. Abgesehen davon schmeckt das Essen auch 100 Mal besser.

Was sagt mein Körper eigentlich dazu?

Wann hat mein Körper eigentlich Hunger, wann hat er genug und wie fühlt sich satt sein eigentlich an. Innerhalb von 20 Minuten stellt sich im Körper das Sättigungsgefühl ein. Bei meinem Esstempo kein Wunder, dass ich drei Mal so viel gefrühstückt habe als ich es eigentlich bräuchte und mich danach schon übersatt gefühlt habe. Die gestellten 20 Timer-Minuten kamen mir vor wie eine Ewigkeit, doch zu meinem Staunen stellte ich fest, dass sich das Gefühl von satt sein Welten besser anfühlt, wenn man nicht sofort nachschaufelt.

Einfach nur genießen

Gegen Ende der Woche gönnte ich mir eine Portion Topfenknödel nach dem Training. Nach einem 14km langem Lauf habe ich normalerweise so einen großen Appetit, dass ich Mount-Everest ähnliche Berge an Essen verschlingen könnte. Dank dem Fokus auf bewusstes Essen hatte ich doch tatsächlich nach einer Portion genug, so gut wie an diesem Tag haben sie mir überhaupt noch nie geschmeckt. Ich bin schwer beeindruckt wie zufrieden dieses genussvolle und achtsame Essen macht._mg_1275

Verschlungene Gefühle

Nach so vielen positiven, Erfahrungen dürfen jetzt auch die ärgerlichen Erkenntnisse nicht fehlen. Ich bin ja eine richtig emotionale Esserin, während ich frustriert an meiner Bachelor Arbeit gesessen bin, verschlang ich im Nu zwei Packungen Kekse ganz nebenbei. Ja auch den Timer habe ich vergessen. Ich wollte einfach nur diesen Text fertig schreiben, aber der Text wollte einfach nicht. Dennoch, auch die Kekse haben den Text nicht zum fließen gebracht. Eine bessere Alternative wäre wohl gewesen meinen Laptop zu schlagen oder irgendetwas auf den Tisch zu hauen. Ok nein Spaß bei Seite, ich werde mir ganz sicher einen Stressball zulegen um solche ärgerlichen Situationen anders zu bewältigen als durch Süßigkeiten.
Wenn ich richtig schlecht und wenig geschlafen habe, dann werde ich auch ganz besonders hungrig, oder eher Esslustig und bekomme Lust auf alles was Zucker enthält und Süß ist. Nachdem es die Testwoche zuließ habe ich gelernt mich einfach hinzulegen und etwas zu schlafen. Dass das im Alltag sonst nicht möglich ist, macht mich ganz schön traurig. Wie schade, dass wir aus dem Alter des Mittagsschläfchens draußen sind.

Fazit

Achtsam zu Essen ist eine wundervolle Erfahrung. So viele neue Geschmäcker, so ein angenehmes Gefühl von zufriedener Sattheit und dann auch noch ein paar Kilo leichter, ganz ohne Verzichte. Das Mindfulness-Based-Eating-Awareness Training ist mehr als nur eine Erfahrung wert. Alltagstauglich für die Erstausführung, leider eher weniger, aber eine großartige Challenge für eine Urlaubswoche, für die ganz besonderen Gourmet Ferien.

Alles Liebe und viel Spaß beim Nachmachen,

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